Dienstag, 25. Oktober 2016

Was die AfD von Ronald Schill gelernt hat

Immer wieder versuchen AfD, Pegida und Co, sich gegen den Vorwurf zu wehren, sie seien rechtsradikal. Dabei sind die Strategien durchschaubar - sind sie doch identisch mit jenen, die schon Ronald Barnabas Schill vor rund 15 Jahren mit seiner Schill-Partei angewandt hat. In seiner Biografie (Der Provokateur, S. 58) gibt er unumwunden zu, dass er folgende Maßnahmen gezielt zur Immunisierung gegen den Vorwurf, rechtsradikal oder gar rechtsextrem zu sein, getroffen hat:
"Erstens stellte ich mich mit meinem von den Nazis ermordeten Großvater auf eine Ebene und verkündete, er habe für seinen unerschrockenen Kampf gegen den Ungeist seiner Zeit einen viel höheren Preis bezahlt, als ich ihn jemals zu zahlen haben werde. Ich sei – was auch der Wahrheit entspricht – stolz darauf, dass er und meine Großmutter als Kommunisten gegen die Nazidiktatur gekämpft hätten."
Wer muss da nicht an den Versuch von Pegida denken, mit der Wirmer-Fahne - der Fahne des Widerstands rund um Stauffenberg - sich selbst als Antinazis und sogar als verfolgte Widerständler in einer Diktatur zu inszenieren? Geschmacklos, aber durchaus wirksam bei Teilen der Bevölkerung.
"Zweitens trat ich – nicht nur, aber auch aus diesem taktischen Grunde – der Deutsch-Israelischen Gesellschaft als Mitglied bei. Für meine Feinde aus der linken Ecke waren die Kampfbegriffe „rechtsradikal“, „ausländerfeindlich“ und „antisemitisch“ Holz vom gleichen Stamm. Wenn ich aber nicht antisemitisch war, wie konnte ich dann rechtsradikal sein?"
Auch dieses Muster sieht man heute wieder. Im Umgang mit Antisemiten wie dem baden-württembergischen AfDler Wolfgang Gedeon wird dann aber schnell deutlich: Zumindest für die Hälfte der dortigen AfD-Fraktion ist Antisemitismus nur dann schlimm, wenn er von Muslimen kommt und ansonsten kein Grund, sich von einem eigenen Parteifreund zu distanzieren.
"Drittens nahm ich Anthony, einen Schwarzafrikaner aus Ghana, gleich bei Gründung meiner Partei in den Vorstand auf."
Auch da haben AfD, Pegida und Co längst ihre Freunde gefunden, die sich aus Naivität und für ein bisschen Publicity die Rolle der Feigenblätter spielen, wie etwa Achille Demagbo. Dass auch für ihn und seine Familie in einem Land, in dem das völkische Denken von Petry, Höcke und Co zur Leitkultur werden, kein Platz wäre, ist einfach nur tragisch. 
"Viertens zitierte ich zu meinem Thema Ausländerkriminalität gebetsmühlenartig den amtierenden SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder."
Hat da jemand Sarrazin gesagt?

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