Dienstag, 8. November 2016

Das postfaktische Leben der Liane B. - Teil II

Die Soap Opera rund um die Verfehlungen von Liane Bednarz geht weiter. Der Umgang mit dem Artikel aus der Süddeutschen sagt viel über sie und ihr Umfeld aus, das sich was Postfaktizismus angeht kaum hinter Trump und seinen Anhängern verstecken muss. Ein Anschauungsbeispiel für die Wirren des digitalen Zeitalters.

Es ist einige Tage her, da habe ich an dieser Stelle meinen Blick auf die in der Süddeutschen durchaus richtig geschilderten Vorgänge geschildert. Wenig überraschend fühlte sich Frau Bednarz daraufhin berufen, dagegen zu Felde zu ziehen. Obwohl juristisch nicht anfechtbar, holte sie sich dafür den renommierten Anwalt für Pferderecht (kein Scherz), Enzio Graf Resseguier de Miremont (auch kein Scherz) an ihre Seite, der dann gleich mal in einem Artikel auf Starke Meinungen zeigen wollte, was er alles nicht drauf hat. Ich will gar nicht im Detail darauf eingehen, was an seinem Text alles falsch ist - andersrum wäre es einfacher. Alleine schon der Satz "Interessenkonflikte sind im Journalismus völlig normal" kollidiert in einer Wucht mit dem Pressekodex, dass man alleine vom Lesen ein Schleudertrauma bekommt. Nach Resseguiers Logik wäre auch der Fall Günter Lachmann, der in Diensten der Welt stehend zusätzlich der AfD seine Dienste angeboten haben soll, ein ganz normaler Vorgang gewesen. War er aber nicht. Und deswegen ist es richtig, dass Lachmann seinen Job bei der Welt verloren hat und nachvollziehbar, dass nach meinen Informationen Liane Bednarz nicht mehr bei Noerr arbeitet. Auch wenn dieser Schritt eigentlich schon vor über einem Jahr angemessen gewesen wäre, aber das ist nur meine unmaßgebliche Meinung. 

Der Pferderechtsanwalt lässt es sich natürlich auch nicht nehmen, gegen mich auszuteilen. "Auch Christoph Giesa sind solche Interessenskonflikte nicht fremd: Auch er bat noch im Vorfeld des Buches Bednarz ausdrücklich, eine Person zu verschonen, von der er sich für seine Freundin berufliche Aufträge erhofft hatte", raunt er. Giesa also auch? Hat er auch Leute aus dem rechten Spektrum in Schutz genommen, aus dem Buch herausgehalten? Bei Tichys Halbprofis wurde dann auch gleich kräftig drauf losspekuliert. Und auch ich rätselte mit, war mir doch kein solcher Vorgang bekannt. Tagelang ließ sich der Pferderechtler dann bitten, ohne Details zu nennen. Und er wusste warum. Hätten alle Leser seines Beitrags den Vorgang gekannt, hätte er sich und Frau Bednarz gleich noch viel mehr blamiert, als er das so schon getan hat. Das holen wir jetzt aber gerne nach. Wollen wir also einmal Licht ins Dunkel bringen:
  • Es geht um einen Vorgang vom 6.5.2014, also vor zweieinhalb Jahren. Liane Bednarz habe ich erst zwei Wochen später kennengelernt. Erst danach habe ich Ihr angeboten, auf mein Buchprojekt mit aufzuspringen. Anders gesagt: Der Vorgang hatte mit "Gefährliche Bürger" nichts, aber auch gar nichts, zu tun. Dass der Herr Pferderechtsanwalt von "im Vorfeld des Buches" spricht, ist natürlich sprachlich nicht ganz falsch. Aber nach dieser Logik fand auch mein erstes Bäuerchen im Jahr 1980 "im Vorfeld des Buches" statt, ebenso wie meine Konfirmation und mein Abi.
  • Es geht bei dem Vorgang auch in keiner Weise um einen professionellen Interessenskonflikt, wie der Herr Pferderechtsanwalt vermutlich in kompletter Unkenntnis von ungefähr allem insinuiert. Denn dafür hätte der Vorgang in einem professionellen Zusammenhang stehen müssen. Es ging allerdings nicht nur nicht um das Buch. Es ging auch nicht um einen Artikel oder ein sonstwie professionell zu verstehendes Produkt meiner Arbeit. Sondern es ging um diesen Facebook-Post und die Diskussion darunter:

     
  • Frau Bednarz diskutierte unter diesem Post in ihrer gewohnten Verhörmentalität mit einem Herrn, dessen Namen man zwar auf der FB-Seite finden kann, den ich aber hier aus Rücksicht nicht nennen will, weil er mit dem Vorgang wirklich gar nichts zu tun hat. Der Herr ist Fotograf und ich hatte gerade den Kontakt zwischen ihm und meiner damaligen Freundin hergestellt, die als Hair-and-Makeup-Artist arbeitet. Obwohl der Herr verschwörungstheoretisches Zeug von sich gab, hatte ich kein Interesse an einer Eskalation der Diskussion auf meiner Pinnwand (Stichwort Hausrecht) und bat Frau Bednarz im Chat, von ihm abzulassen:
  • Frau Bednarz fand den ganzen Vorgang damals  übrigens alles andere als schlimm, wie sie kurz später ausdrückte. Aber das nur am Rande.
  • Um es noch einmal deutlich zu sagen: Der Herr, um den es ging, sollte zu keinem Zeitpunkt Gegenstand einer Publikation sein - insofern habe ich ihn weder "gestrichen" noch aus irgendetwas "rausgehalten". Wer das behauptet, lügt. Ich habe lediglich darum gebeten, dass Frau Bednarz sich in einer Diskussion auf meiner eigenen Facebook-Pinnwand zurückhält. Jede Bitte, das Thema Liane Bednarz auf "Starke Meinungen" nicht weiter zu vertiefen ist mehr Interessenskonflikt als dieser, rein private Vorgang.

Dass Frau Bednarz ihren Pferderechtsanwalt diesen Fall ausgraben lässt, lässt übrigens gleich mehrfach tief blicken. Zunächst einmal wird deutlich, wie wenig Frau Bednarz und ihr Umfeld verstanden haben, wie Medien im digitalen Zeitalter funktionieren und wirken. Dort scheint man nämlich zu glauben, dass man irgendetwas dadurch gewinnen kann, dass man andere - in diesem Fall mich - schlecht macht. Nur: Das ist nicht der Fall. Frau Bednarz' Handeln wäre selbst dann, wenn ich genauso unehrlich und unfähig wie sie wäre, immer noch falsch. Und zwar nach rein objektiven Maßstäben wie dem Pressekodex oder auch der anwaltlichen Berufsordnung. Es handelt sich hier nicht um einen Zweikampf, wie im Fall Trump/Clinton, wo einer am Ende gewinnt und später keiner mehr fragt, wie das Ergebnis zustande kommt. Vielmehr gilt: Frau Bednarz hat schon verloren und schlägt jetzt noch eine Weile wild um sich. Ich halte das aus und beobachte das wie einen Unfall, bei dem man auch nicht wegschauen kann. Denn ich weiß: sie ganz alleine hat dafür die Verantwortung zu tragen. Und sie macht es gerade nur noch schlimmer für sich selbst.

Denn - Learning Nummer zwei - spätestens mit diesem Post zeigt sich, dass Frau Bednarz offensichtlich nichts gegen mich in der Hand hat. Ich stelle mir gerade vor, wie sie stundenlang (sie hat ja jetzt Zeit) alte Chatprotokolle durchforstet hat, um dann diesen Vorgang von vor zweieinhalb Jahren zu finden. Darüber hinaus führt sie gerne noch eine Übertreibung meinerseits von der Veranstaltung aus Leipzig an (hier der Mitschnitt, immer wieder hörenswert), wo ich die juristischen Auseinandersetzungen der letzen Jahre mit der rechten Szene pauschal auf das Buch bezogen habe, was natürlich nicht ganz richtig war (es gab zum Buch einige böse Briefe, zwei nicht erfolgreiche Abmahnungen und den ebenso wenig erfolgreichen Gang der Bettina Röhl bis vor das Oberlandesgericht, alle anderen Vorgänge hatten mit anderen Texten zu tun). So what? Mit dem Track Record könnte ich mich wahrscheinlich sogar für die amerikanische Präsidentschaft bewerben, so wenige Leichen im Keller dürfte selten ein Kandidat gehabt haben.

Learning Nummer drei ist, dass gut gemeint auch in diesem Fall wieder das Gegenteil von gut gemacht ist. Nach dem Artikel in der Süddeutschen (gefühlt Seite 318 unten im Feuilleton, ich musste dreimal blättern, bis ich den Text gefunden habe), war der Jobverlust von Frau Bednarz vermutlich beschlossene Sache. Daran wird auch ihr Theater im Nachhinein nichts mehr ändern. Hätten sie und ihre Jünger danach einfach die Klappe gehalten, wäre der Sturm ansonsten wohl recht schnell wieder abgeebbt. Am Ende waren es die Ausraster von Herrn Posener, die für den Meedia- und den Spiegel-Online-Artikel verantwortlich waren. Und es waren die dauernden Provokationen aus Frau Bednarz' Umfeld, die mich dazu veranlasst haben, auch noch einmal Stellung zu nehmen - ich hatte zuvor nicht einmal den Süddeutsche-Artikel gepostet! 

Gibt man "Liane Bednarz" nun bei Google ein kommt mein erster Artikel gleich als drittes oder viertes Ergebnis (es war ganz nebenbei der meistgelesene Artikel meines Blogs bisher überhaupt). Bei diesem nun wird es vermutlich nicht viel anders sein. All das hätte sich Frau Bednarz ersparen können. Aber wie so oft werden an dieser Hypothek, die sie ihr Leben lang mit herumschleppen wird (das Internet vergisst nicht), wieder alle schuld sein, nur sie selbst nicht. Und ganz ehrlich: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

Learning Nummer vier ist übrigens, dass es tatsächlich Menschen gibt, denen Facebook gar nicht bekommt (dazu hat Jan Fleischhauer in seinem Artikel ein paar treffende Bemerkungen gemacht). Wie anders kann man diese Aussagen von Frau Bednarz noch erklären?


Dass es tatsächlich Menschen geben sollte, die Artikel und Bücher nicht aus bloßem Narzissmus, sondern aus Überzeugung schreiben, kommt jemandem wie Frau Bednarz in ihrer Welt nicht mehr in den Sinn. Und dass es tatsächlich Journalisten geben sollte, denen der unsaubere Umgang mit Interessenskonflikten sauer aufstößt, offensichtlich ebenso wenig. 

Das ist auch genau das Problem, das diese Frau hat und das ich leider viel zu spät erkannt habe: Es geht ihr nicht um die Sache. Es geht ihr um Aufmerksamkeit und Zuspruch. Wenn der ausbleibt, geht sie damit nicht selbstkritisch um, sondern attackiert denjenigen, der nicht tut, was sie will. Privat wie professionell. In der Zeit, in der "Gefährliche Bürger" entstand, waren auch immer alle anderen an allem schuld. Obwohl sie schlicht ihre Zeit damit verbrachte, Likes und Tweets zu zählen (jeder Retweet durch eine namhaften Journalisten war eine Email mit angehängtem Screenshot wert), war daran, dass sie mit den von ihr zugesagten Teilen nicht fertig wurde, wahlweise der Verlag oder die eigene Kanzlei schuld. Dass darunter nicht sie leiden musste, sondern ich, hielt sie natürlich nicht davon ab, mich noch zusätzlich mit ihrem Rumgeheule und ihrem Gezänke vom Arbeiten abzuhalten. Auf meine frühen Hinweise, dass sie in diesem Tempo niemals ihre zugesagten Teile wird liefern können, erntete ich hysterische Ausbrüche und einige der absurdesten Mails meines Lebens. 

Liane Bednarz, und das dürften hoffentlich die letzten Worte sein, die ich in meinem Leben an diese Dame verschwende, wäre gerne so vieles und ist am Ende nichts davon. Sie wäre gerne eine Top-Anwältin, sieht aber nicht einmal den Interessenskonflikt, wenn man ihn ihr mit dem Trichter direkt ins Gehirn füllt. Sie wäre gerne Autorin, bringt aber nichts von dem mit, was man braucht, um ein Buch zu schreiben. Sie wäre gerne Journalistin, nur findet sie den Pressekodex doof, wenn er auch für sie gelten soll. Und sie wäre so gerne Christin, hat dazu aber keinerlei menschliche Voraussetzungen. Ein Leben wie ein postfaktisches Kunstwerk, möchte ich sagen. Ihre Jünger werden noch eine Weile um sie herumtanzen, dann wird es still werden. Viele, viele Menschen werden dann endlich durchatmen können, denn erst dann ist der Spuk endgültig vorbei. 

Ich fliege jetzt erstmal nach Guatemala und genieße das Leben. Und irgendwann werde ich den ganzen Spaß sicher mal in einem Roman oder Drehbuch verarbeiten. Wobei... wahrscheinlich glaubt einem das am Ende keiner.