Freitag, 28. Oktober 2016

Der Fall Liane Bednarz - Teil I

Vor einigen Tagen erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel, in dem es um die Rollen von Frau Bednarz und ihres Arbeitgebers bei der Tilgung kritisches Passagen in „Gefährliche Bürger“ ging. Im Nachgang dieses Artikels schossen allerlei Verschwörungstheorien ins Kraut, die sich gegen den Autor des Artikels, aber auch gegen mich richteten. Mehr als vierzehn Monate nach Erscheinen des Buches scheint es daher Zeit, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Auch, weil ich aus dem Umfeld von Frau Bednarz immer wieder nachdrücklich dazu aufgefordert wurde. Ob das wirklich in ihrem Sinne ist? 

Ein paar persönliche Worte vorweg. Mir ist klar, dass auch dieser Text nicht alle überzeugen wird. Mir ist klar, dass der ganze Vorgang von außen betrachtet wie eine überflüssige Schlammschlacht wirken mag. Und mir ist auch klar, dass die rechte Szene sich gerade vor Glück ins Höschen macht. Ich halte es trotzdem für wichtig, all die Dinge, die ich in den letzten zwei Jahren erlebt habe und erleiden musste, öffentlich zu machen. Und zwar alleine schon, um damit möglicherweise andere Menschen davon abzuhalten, denselben Fehler zu machen, den ich gemacht habe – und der mir mein Leben zwischenzeitlich zur Hölle gemacht hat. Hier der erste Teil - die weiteren Vorgänge so wiederzugeben, dass sie korrekt, vollständig und verständlich gleichermaßen sind, ist eine Aufgabe, die mehr als ein paar Stunden in Anspruch nimmt.

Nun aber endlich inhaltlich. Zunächst einmal kann ich auch bei nochmaliger Lektüre des Artikels keinen sachlichen Fehler entdecken. Und ich muss gestehen: Ich habe das Verhalten von Frau Bednarz damals für skandalös gehalten - und halte es heute immer noch dafür. Dabei hat die Geschichte mehrere Ebenen. Natürlich hat der Autor eines Buches grundsätzlich jedes Recht, zu entscheiden, welche Sachverhalte er aufgreift und welche nicht. Im Fall eines Einzelautors entsteht daraus auch kein Problem, denn er alleine ist Urheber und kann zu jedem Zeitpunkt vor Drucklegung grundsätzlich Details am Text ändern (ob das dann noch professionell genannt werden kann, ist eine andere Frage). Im Fall von "Gefährliche Bürger" war Frau Bednarz allerdings nicht die alleinige Autorin, sondern es handelte sich um ein Werk von zwei Autoren. Der Teil, den Frau Bednarz streichen wollte - und dessen Streichung sie zum Teil auch gegen meinen ausdrücklichen Willen durchgesetzt hat - war von mir geschrieben.

Auch das alleine wäre noch kein Skandal. Allerdings bekam Frau Bednarz schon im Mai 2014, ganz kurz nachdem wir uns zum ersten Mal persönlich getroffen hatten, von mir ein Exposé, das später die Basis für "Gefährliche Bürger" wurde. Bereits dort war das folgende Kapitel angedacht:
"Die Spur des Geldes – Wer von Angst und Hass profitiert
Das ist sicher aus medialer Sicht eines der spannendsten Kapitel – zumal das bisher meines Wissens nach noch nie jemand umfassend aufgeschrieben hat. Aber denen, die gegen „die da oben, die sich die Taschen voll machen“ agitieren, übersehen oftmals, dass ihre eigenen Vordenker sich noch viel schamloser an ihrer blinden Wut bereichern. Die Vernetzung der vielen verschiedenen Protagonisten, die Interessen von Anlageberatern und Lobbyisten und die gegenseitige Handreichung wird zumindest die, die das Buch nicht nur kaufen, um sich über den Autor aufzuregen, zum Nachdenken bringen."
Spätestens seit dem 13. August 2014 kannte sie dann all die Namen, deren Streichung sie im April 2015 mit aller Brutalität durchsetzte. Das war nämlich der Tag, an der ich ihr die erste Fassung des Textes per Mail zukommen ließ. Liane Bednarz war danach eifrig bei der Sache, Material zum Thema zusammenzutragen. Als nur wenige Tage später ein bemerkenswerter Artikel des Welt-Autoren Daniel Eckert zum Scheitern der „Crash-Propheten“ erschien, merkte sie an, dass es sich um die Bestätigung meiner These handele und fügte hinzu, dass Polleit allerdings fehle. Am 31. August wies sie mich auf einen Text hin, in dem die Verbindung zwischen Sarrazin und von Finck beschrieben werde (wie diese aussehen soll, blieb sie allerdings schuldig). Also: Kein Hinweis darauf, dass sie irgendein Problem mit dem geplanten Kapitel und den darin genannten Personen hatte – ganz im Gegenteil.

Das Thema, das nun Gegenstand des Artikels in der Süddeutschen Zeitung war, war also schon zum frühestmöglichen Zeitpunkt angelegt. Wenig überraschend übrigens, wenn man weiß, wie ich überhaupt auf die Idee gekommen bin, „Gefährliche Bürger“ zu schreiben: Es waren die Untergangspropheten am rechten Rand der FDP (inzwischen: am rechten Rand der AfD), die mich dazu gebracht haben, zu recherchieren, wer eigentlich und aus welchem Grund ein Interesse an einem Zusammenbruch der Eurozone, der EU und der Demokratie an sich haben kann. Und man braucht eben nur der Spur des Goldes zu folgen, um fündig zu werden. Der langen Rede kurzer Sinn: Ohne diesen Anfang hätte es das Buch nie gegeben. Dass Frau Bednarz und ihre blinden Unterstützer nun versuchen, das Kapitel an sich oder zumindest die Streichungen als weitgehend irrelevant zu verkaufen, dürfte nicht nur mit diesem Text eindeutig widerlegt sein, sondern ist auch unredlich.

Manuskriptabgabe war der 15. März 2015. Erst zwei Wochen später - also nach der Abgabe - forderte Frau Bednarz die Streichung der entsprechenden Passagen. Zuvor hatte sie das Kapitel mehrfach zu Korrekturzwecken in der Hand - und wiederum keine Einwände. Der Streichungswunsch kam dann aus heiterem Himmel - und zwar nicht in der gebotenen Demut, sondern brachial: Der Arbeitgeber habe "gerade sein Veto gegen eine Behandlung der Sachanleger-Branche eingelegt hat, so dass die betreffenden Passagen im Kapitel "Die Angstmacher" aus berufsrechtlichen Gründen zwangsläufig entfallen müssen." Auch wolle die Kanzlei nun den Rest des Manuskripts prüfen. Immer noch kein Skandal? Na dann sehen wir mal weiter.

Denn in derselben Mail wurde auch noch die glatte Lüge formuliert, es habe eine "Absprache, dass Passagen, die die Kanzlei nicht mittragen kann, entfernt werden" zwischen mir und Frau Bednarz gegeben. Spätestens jetzt sind wir bei dem Teil, der die Geschichte tatsächlich zum Skandal macht. Denn nicht nur hat es diese Absprache nicht gegeben. Vielmehr hat Liane Bednarz auf mehrfache Nachfrage zunächst von mir, dann von unserer Agentin* und später auch des Verlags immer wieder betont, sie sei komplett frei in dem, was sie schreibe, weil die Kanzlei ihr Anliegen unterstütze. Niemals - wirklich niemals! - hätte ich einen Vertrag mit jemandem unterzeichnet, der für das gemeinsame Buchprojekt einen Freigabevorbehalt seines Arbeitgebers verlangt hätte. Und dasselbe dürfte ebenso für Hanser gelten. 

Anders gesagt: Man muss davon ausgehen, dass Frau Bednarz - bei einer Anwältin muss man davon ausgehen: wohl wissend um die vertraglichen Einschränkungen, denen sie unterlag - bewusst die Unwahrheit gegenüber dem Verlag und mir als weiteren Vertragspartnern gesagt hat, nur um nicht auf das Buchprojekt verzichten zu müssen. Das Buch wäre nämlich auch ohne sie geschrieben worden. Wer nicht spätestens an dieser Stelle ein zutiefst unmoralisches Verhalten erkennt, wer jetzt noch nicht verstehen will, dass Frau Bednarz sehenden Auges als Anwältin einen Vertrag unterschrieben hat, der einen Interessenskonflikt zu ihrem bestehenden Arbeitsvertrag bedeutete, dem ist beim besten Willen nicht mehr zu helfen. Dass sie dann zum späteren Zeitpunkt ihren Fehler nicht dadurch zu heilen versucht, dass sie selbst als Autorin zurücktritt, sondern mit aller Vehemenz darauf drängt, meinen Text zu verstümmeln, sagt viel über die Persönlichkeitsstruktur von Frau Bednarz aus. Über ihr christliches Getue kann ich schon lange nur noch laut lachen.

Dazu passt übrigens auch, dass sie versucht hat, Druck auf den Veranstalter einer Lesung mit mir in Leipzig auszuüben, damit dieser den Mitschnitt des Abends aus dem Netz nimmt, weil ihr einige meiner Aussagen nicht passten. Streichen lassen wollte sie dort etwa die Aussage der Moderatorin (!), man merke dem Buch an, dass es aus meiner liberalen Handschrift heraus geschrieben worden wäre oder auch meine Aussage mit folgendem Wortlaut:
"Das ist übrigens der Teil im Buch, der tatsächlich von meiner Co-Autorin stammt, der auch gut ist, also das muss man, man muss ja auch mal loben können, wozu sie einen langen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vor zwei oder drei Wochen geschrieben hat." 
Und natürlich ging sie auch dort schon gegen die Erwähnung der Rolle ihres Arbeitgebers vor, die im Artikel der Süddeutschen nun, ein halbes Jahr später, intensiv beleuchtet wurde. Die Veranstalter waren über Frau Bednarz' Wünsche reichlich verwundert - und teilten ihr nach Durchsicht mit, dass sie keinen Anlass für eine Zensur sehen. Kein Wunder: keine der Aussagen war unwahr. Daher kann man den Mitschnitt auch heute noch hier nachhören. Viel Spaß dabei!

Abschließend: Frau Bednarz versuchte in den letzten Tagen den Anschein zu erwecken, es sei nicht um Mandanten ihres Arbeitgebers gegangen. Das ist einmal mehr verwunderlich, hatte sie die Streichliste doch genau damit begründet, dass sie die Datenbankabfrage zu den Mandanten der Kanzlei falsch durchgeführt hätte. Wer soll denn in dieser Datenbank sonst drinstehen, wenn nicht Mandanten? Und nehmen wir nur an, ich läge falsch und sie hätte tatsächlich Recht: Dann wäre der Skandal sogar noch größer, weil sie Streichungen nicht aus Rücksicht auf Mandanten, sondern aus Rücksicht auf die mögliche Akquise der genannten Namen als Mandanten durchgedrückt hätte. Wenn man ganz bösartig sein will, könnte man darin sogar ein mögliches Vertriebsinstrument sehen, das man in der Ansprache anführen könnte, man habe Schaden von jemandem schon vor Beginn eines Mandats abgewehrt. Das vermute ich allerdings nicht, sondern eher, dass es sich bei den Aussagen von Frau Bednarz aus den letzten Tagen um Schutzbehauptungen handelt, weil sie Angst hat, dass sich sonst möglicherweise die Anwaltskammer einschaltet. Ich würde ja immer empfehlen, zu den eigenen Verfehlungen zu stehen, statt zu versuchen, eine Lüge mit einer anderen zu decken. Aber jeder ist ja seines Glückes Schmied.

Wie auch immer - unsauber war auch dieses Vorgehen wieder. Nicht zum ersten Mal, wie jedem nach Lektüre dieses Textes deutlich geworden sein sollte. Und sollte sie nun wieder mit rechtlichen Schritten drohen: Auch davor habe ich inzwischen keine Angst mehr. Wie ich überhaupt keine Angst mehr habe vor Frau Bednarz. Jeder Satz in diesem Text ist belegt. Eine gute Nachricht für mich, eine schlechte für sie. 

In Teil II werde ich mich der Arbeitsmoral von Frau Bednarz sowie ihren Ansichten über ihren Arbeitgeber und den Verlag widmen. Ich gebe zu, ich hätte mir die Arbeit gerne erspart. Aber es hilft ja alles nichts, solange Frau Bednarz weiterhin versucht, die Öffentlichkeit mit Un- und Halbwahrheiten zu füttern. Nun erst einmal allen ein schönes Wochenende. Ich werde mich mit dem Thema vor Montag nicht mehr beschäftigen - und ich empfehle es allen anderen auch.

* Diesen Satz hatte ich zuvor mit unserer Agentin nicht abgestimmt. In meiner Erinnerung war es so, sie kann sich daran allerdings nicht erinnern (es geht um die Zeit vor recht genau zwei Jahren). Was sie allerdings weiß: Sie ist davon ausgegangen, dass es sich natürlich genau so verhält, weil es sich auch aus ihrer Sicht um eine Selbstverständlichkeit handelt, dass man Bücher nicht unter Freigabevorbehalt eines Arbeitgebers schreibt.

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