Samstag, 8. März 2014

Was gesagt werden musste...

Zum Einstieg in diese Wortmeldung mache ich mich zunächst einmal digital nackig, auch wenn die NSA vermutlich sowieso längst Bescheid weiß: Ich bin vom Stammbaum her so deutsch, wie man nur deutsch sein kann, in einer Familie mit Vater und Mutter aufgewachsen, heterosexuell und kann mit dem klassischen Familienbild für mich recht viel anfangen. So weit, so wenig skandalös. Doch nun kommt die eigentliche Überraschung dieser Tage: Ich wurde bisher deswegen weder attackiert noch habe ich das Gefühl, dass mir irgendwer etwas wegnehmen oder gar verbieten will. Keine Heterofeindlichkeit, keine Deutschenfeindlichkeit, keine Familienfeindlichkeit – nirgends!

Und jetzt lehne ich mich mal ganz weit aus dem Fenster (und hätte nicht gedacht, dass mir diese Selbstverständlichkeiten nochmal einen Text wert sein müssen):

Ich finde es richtig, dass Homosexuelle gleiche Rechte haben, wie Heterosexuelle – und wüsste nicht, was ich dadurch verlieren sollte. Ich finde es richtig, dass darauf hingewirkt wird, dass Menschen nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder aus irgendwelchen anderen Gründen diskriminiert werden – so steht es immerhin im Grundgesetz. Und ich finde das sogar auch für mich selbst gut, weil eine allgemeine Offenheit in diesen Fragen die Wahrscheinlichkeit senkt, dass ich selbst oder vielleicht eines meiner Kinder eines Tages Opfer von Diskriminierung wird – aus welchen Gründen auch immer.

Ich finde es auch in Ordnung, wenn sich Menschen der vorhandenen technischen Möglichkeiten bedienen, um Kinder zu bekommen. Und ich halte es für abwegig, das jemandem vorzuenthalten, der eine andere sexuelle Orientierung hat, als ich. Wo sind wir denn, dass wir wieder über Gesinnungstests nachdenken?
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein aufgeklärter Mensch irgendeine sinnvolle Begründung finden kann, einem Menschen der mithilfe künstlicher Befruchtung entstanden ist, abzusprechen, dass er ein vollwertiger Teil dieser Gesellschaft ist. Das ist doch genauso absurd, wie dass man früher Kinder die aus unehelichem Sex, Vergewaltigungen oder etwa aus Verbindungen mit Besatzungssoldaten entstanden, deshalb ausgrenzte. Was muss man für ein Mensch sein, sich derart in Dinge einmischen zu wollen, die auf das eigene Leben überhaupt keinen Einfluss haben?

Und in diesem Kontext finde ich es übrigens auch richtig, dass man denen, die ihre absurden Thesen unter dem Mäntelchen der Freiheit und mit einem „Man wird doch noch sagen dürfen…“ in den öffentlichen Diskurs werfen, den Spiegel vorhalten darf: Wie kannst Du Freiheit für Dich in Anspruch nehmen, um anderer Menschen Freiheit in Frage zu stellen, sie zu kränken, ihnen gar das Menschsein abzusprechen – und den Gegenwind dann als „Tugendterror“ oder „Political Correctness“ oder „Gutmenschentum“ zu diskreditieren versuchen? Genau die Regeln, die Dir erlauben, Dich zu äußern – und sei es auch noch so großer geistiger Dünnschiss – erlauben es mir, dem zu widersprechen. Und auch so energisch, wie ich es für richtig halte.

Ich verfolge die Diskussion der letzten Tage, Monate, ja schon Jahre mit einem gewissen Erstaunen. Was verliert einer, wenn ein anderer nicht mehr diskriminiert wird? Was verliert man, wenn in unserer Gesellschaft weniger Menschen Angst haben müssen, so zu leben, wie sie es sich wünschen? Es scheinen mir nicht die, die sich gerade auf die Vielfalt berufen, die sie schützen, sondern die, die von diesen angegriffen werden, weil sie sie zu leben versuchen.

Ich wiederhole es gerne noch einmal: Ich habe noch nicht einmal das Gefühl gehabt, dass ich durch die Emanzipation, die Gleichstellung von Homosexuellen oder die Anwesenheit von Menschen, die nicht in der klassischen Ehe beim nächtlichen Geschlechtsakt zwischen Ehemann und –frau entstanden sind irgendetwas verloren hätte. Im Gegenteil: ich profitiere jeden Tag von der Vielfalt um mich herum. Und ich bin nicht bereit, auch nur ein bisschen davon auf dem Altar derer zu opfern, die das nicht verstehen. Das musste mal gesagt werden…

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