Freitag, 8. Februar 2013

Die FDP und der Rassismus

"Rösler rassistisch beleidigt" titelt heute eine große deutsche Zeitung. Wahrscheinlich würde diese Schlagzeile jeden Tag passen, denn ohne es genau zu wissen vermute ich, dass Philipp Rösler, wie jeder andere Mensch in Deutschland, der in der Öffentlichkeit steht und es dabei wagt, fremdländisch auszusehen, tagtäglich mit rassistischem Müll befeuert wird. Deutschland hat ein Rassismus-Problem. Das beschränkt sich nicht auf Ränder der Gesellschaft, sondern ist auch in einem nicht unwesentlichen Teil der Mitte zu finden. Und die Art und Weise, wie über Sarrazins-Thesen, die Tilgung des Wortes "Neger" aus Kinderbüchern oder über die Euro-Krise debattiert wird, lässt vermuten, dass wir gerade vor einer Renaissance eines offenen Rassismus aus der Mitte stehen, der natürlich vorgibt, nicht rassistisch zu sein, sondern sich gegen die so genannte "Political Correctness" zu richten. Das macht ihn allerdings nicht weniger gefährlich, eher im Gegenteil. 

Jörg-Uwe Hahn nun zu unterstellen, er habe sich rassistisch geäußert, halte ich für mehr als seltsam. Aber wenn die FDP zeigen will, dass es ihr um eine Debatte um Alltagsrassismus geht, dann hätte ich einen Vorschlag, wie sie die Ernsthaftigkeit dieses Ansinnens beweisen kann. Denn auch in der FDP gibt es, wie leider in jeder Partei, Menschen mit rassistischem Gedankengut. Und eines dieser Exemplare, dass bei Facebook unter dem Pseudonym "Liberale Arbeitnehmer Sachsen" zu finden ist und nach meiner Recherche Stadtratsmitglied und Mitglied des Kreisvorstandes in Chemnitz ist, hat vor einigen Wochen folgendes Zitat gebracht: 

Lieber Christoph Giesa, meine Frau ist Filippina und wundert sich über ihre Argumentation. Auf den Philippinen sei es völlig normal "Weiße" als "Langnasen" zu bezeichnen und diverse Dienstleistungen kosten sie auch mehr als den Einheimischen trotzdem beschwert sich von den "Weißen" die dorthin ausgewandert sind niemand ob diesem klaren rassistischen Verhaltens. Denn der Weiße hat ja die Freiheit dorthin zu gehen, wo er herkam, weil man ihn dort nicht diskriminiert. Ich persönlich denke auch, dass man sich schon irgendwie in die Gesellschaft in die man kommt einleben muss. Sie nimmt einen doch auch auf. Stellen Sie sich bitte vor : ich klingel bei Ihnen an der Tür und sag ich will mal auf Ihrer Couch sitzen. Sie machen dass und nun fange ich an mich darüber zu beklagen, dass mir Ihr Teppich nicht gefällt, weil dort wo ich herkomme die Farbgebung einfach eine Beleidigung darstellt und die Möbel beleidigen mich auch und müssen deswegen ersetzt werden. Da ich dies laut sage kommt nun Ihr Nachbar und ist auch der Meinung das es ja wohl so nicht gehen kann, dass Sie in Ihrer Wohnung Sachen haben, die mich beleidigen. Wir haben uns nicht ausgesucht, dass wir hier geboren sind genauso wenig wie unser Afrikaner es sich ausgesucht hat in Afrika geboren zu sein. Ich kenne durchaus rassistischere Länder als Deutschland in Europa. Wir müssen uns nicht schämen !

Damit sagt er, wenn man es auf den Vizekanzler beziehen möchte, nichts anderes als: Wenn es ihm hier nicht gefällt, dann soll er nicht den Mund aufmachen und versuchen, es zu ändern, sondern dahin zurückgehen, wo er hergekommen ist. Mehr Rassismus geht nicht. Und daran ändert auch eine Beziehung mit einer Ausländerin nichts. Dem Herren scheint alleine der Gedanke fremd, dass es Deutsche geben kann, die rot, gelb, braun oder schwarz sind und die nicht dahin zurückgehen können, wo sie hergekommen sind, weil sie in Hannover, Frankfurt, München oder Chemnitz geboren wurden oder - wie Philipp Rösler - schon als Baby adoptiert wurden. Ich meine: Für solche Gedanken sollte in einer liberalen Partei kein Platz sein. Wer sich über Alltagsrassismus beschwert, muss vor der eigenen Tür anfangen zu fegen. Ich bin gespannt, ob sich jemand findet, der sich des Themas annimmt.

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