Mittwoch, 24. Oktober 2012

Dinge, die ich in Ghana gelernt habe

Hier eine kleine Kollektion der (nicht ganz ernst gemeinten) Erkenntnisse meiner Reise nach Ghana. Eine Bewertung der politischen Situation vor den anstehenden Wahlen sowie eine kleine historische Betrachtung folgen, dann ganz ohne Augenzwinkern. 

Nicht überall in Afrika gibt es Elefanten. Und nicht überall, wo es Elefanten gibt, ist Afrika. 

Liebe Piraten, jetzt verstehe ich Euch endlich. Es hat definitiv auch etwas Gutes, wenn Urheber- und Persönlichkeitsrechte keine Rolle spielen. Denn nur dann kann auch ein Handyshop in einer Holzbaracke sich mit dem Namen und dem Antlitz von Michael Ballack schmücken (siehe Bild). Vielleicht solltet Ihr es mal in Afrika probieren? 

Hat sich mal jemand gefragt, wohin die ganzen Autos verschwinden, die in Deutschland einen Totalschaden erleiden oder nicht mehr durch den TÜV kommen? Auch in Ghana wurde es wieder deutlich: Was bei uns nicht mehr zugelassen ist, taugt dort immer noch als Taxi oder Bus. Zu einem ganz besonderen Fall hatte ich schon 2005 einmal etwas geschrieben.

Es gibt Orte auf dieser Welt, an denen George W. Bush zumindest so beliebt ist, dass man eine Straße nach ihm benennt. Ghana ist einer dieser Orte. Der Grund ist einfach: Während der Amtszeit von Bush jr. wurde die Millennium Challenge Corporation gegründet, aus deren Mitteln über eine halbe Milliarde Dollar nach Ghana flossen, unter anderem in den Bau der genannten Schnellstraße. Und weil man Straßen ungern nach Organisationen benennt, traf es eben den amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten…

Die Namensgebung des George Walker Bush Highway relativiert sich wieder, wenn man etwa auf die Benennung der Räume im One Africa Guesthouse blickt. Die größte Suite wird dort nämlich nicht etwa nach Kwame Nkrumah oder Nelson Mandela benannt, sondern nach Robert Mugabe. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Auch in Ghana kommen die beklopptesten Politiker aus Amerika. Also zumindest haben sie lange dort gelebt… so zum Beispiel Kofi Wayo, Präsidentschaftskandidat der von ihm selbst gegründeten United Renaissance Party (URP). Programm: Soweit noch nicht bekannt. Markenzeichen: Cowboyhut. Prägende Beschreibung: „He had picked up a lot of interest in guns and so getting into the arms business was attractive to him.”

Während die deutschen Nachwuchskicker heute so verwöhnt sind, dass sie sich noch nicht einmal mehr die Schuhe selber putzen, lernen die afrikanischen Nachwuchskräfte noch Demut. Selbst wer es in die zweite ghanaische Liga geschafft hat, darf nicht mit weichem Rasen und Top-Bedingungen rechnen. So trägt etwa Zweitligist Mampong (immerhin die Heimatstadt von Gerald Asamoah, dessen Geburtshaus nur knapp 100 Meter vom „Stadion“ entfernt steht) seine Spiele auf einem Platz aus, der in Deutschland noch nicht einmal zum Schulsport freigegeben wäre. Sehenswert ist der Fußball trotzdem…

Afrikanische Fußballspieler sind nicht unbedingt so alt, wie auf ihrem Spielerpass steht. Das ist seit Anthony Yeboah grundsätzlich bekannt, hat sich aber auch im heutigen Ghana wieder bestätigt. „Ach, Dein Bruder spielt in der ghanaischen Jugendnationalmannschaft. Wie alt ist er denn?“ – „Willst Du sein wahres Alter wissen, oder sein Fußballspieler-Alter?“

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