Samstag, 26. Juni 2010

Warum richtig ist, was wir tun…

In den letzten Tagen gab es an verschiedenen Stellen auch den einen oder anderen kritischen Kommentar, etwa zur Mailingaktion über die Plattform avaaz.org, die in unserer Facebook-Community heftig beworben und genutzt wurde. An dieser Stelle einmal ein paar Gedanken, weshalb ich trotzdem glaube, dass es richtig ist, was wir tun und wie wir es tun.

Ich habe an anderer Stelle über das seltsame Demokratieverständnis mancher Volksvertreter geschrieben. Das wird auch hier wieder deutlich. Der eine oder andere Abgeordnete hat sich bereits negativ zur großen Zahl gleichlautender Emails geäußert, die er bzw. sie in den letzten Tagen bekommen hat. In einem Fall fiel sogar das Wort „Gesinnungsterror“. Sind wir also zu weit gegangen? Mitnichten! Abgeordnete (und andere Wahlmänner) müssen damit rechnen, dass Ihnen der Bürger auch jenseits der Wahlkämpfe mitteilt, wie er von ihnen vertreten werden will. Das gefällt vielen nicht, ist aber Bestandteil unserer Demokratie. Ob nun tausend handgeschriebene Briefe oder tausend gleichlautende Mails über ein Online-Formular verschickt werden, ändert am Inhalt nichts: In beiden Fällen liegt eine eindeutige Aussage des Absenders vor. Nur weil man mit einer mechanischen Lösung die Transaktionskosten (sprich: den Aufwand), die jeder investieren muss, um mit seinem Wahlmann in Kontakt zu treten senkt, macht es die Willensbekundung jedes einzelnen Bürgers nicht weniger wert.

Davon abgesehen sind es offenbar einzig Wahlmänner und Wahlfrauen von CDU/CSU und FDP, die sich bisher beschwert haben. Und das obwohl die Mails an alle Wahlmänner, also auch die von SPD, Grünen, Linke und Freien Wählern geht. Könnte es also sein, dass die Kritik weniger mit der Aktion an sich als vielmehr mit der derzeitigen Gemengelage zu tun hat? Was würden die Wahlmänner sagen, wenn die Situation genau umgekehrt wäre? Ich behaupte, sie würden sich freuen und ggf. sogar unterstützen.

Insgesamt ist es übrigens schade, dass die Wahlmänner die Aktion als Angriff werten. Eigentlich sollten sie es als Bestärkung sehen, am 30. Juni nicht nach Parteibuch sondern nach dem Herzen zu wählen. Die Aktion soll auch sagen: Fürchtet Euch nicht vor Euren Parteioberen, wir stehen hinter Euch. Und wir sind viele!

Ich hatte übrigens gestern die Möglichkeit, mich mit dem von der SPD nominierten Wahlmann Sebastian Krumbiegel („Die Prinzen“) über die Aktion zu unterhalten. Er war fasziniert von den über hundert Mails, die er in den Stunden zuvor bekommen hat – und vor allem von der dahinter stehenden Aktion. Er ist kein Politiker. Und vielleicht scheint er genau deshalb in dieser Geschichte eher die Potenziale für neue Teilhabe als eine Bedrohung zu sehen…

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